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  • Fiona, frd. Schreinerin

Lehmbaukurs mit dem einh. rechtschaffenen Maurergesellen Tommy



Wir, eine Gruppe aus Wandergesellinnen und -gesellen und ehemals gereisten Handwerker*innen vom F.V.D, FBS und Freireisenden, haben uns in der Woche vor Pfingsten getroffen um gemeinsam die Kunst und Kniffe des Lehmbaus kennenzulernen und mit dem nachhaltigen und historischen Material die nötigen Renovierungsarbeiten im Ahrtal voranzubringen.

Wir haben mit dem Verputzen der Wände des Hotels Lindenmühle in Ahrweiler begonnen. Am Montag ging es zunächst um das Aufbringen des Unterputzes auf die durch die Flut beschädigten Wände. Wir trugen einige Zentimeter Lehm-Sand-Stroh-Gemisch auf, um die Unebenheiten in den Wänden auszugleichen und Löcher zu verfüllen. Zunächst haben wir das traditionell mit Wurftechnik gemacht, doch schnell war klar, rationeller sind wir mit der Putzmaschine. Das Mischen des Lehms mit Wasser wird von einem elektrischem Mischer übernommen und mittels Schlauch und Druckluft kann der Lehm direkt an die Wand gespritzt werden. Das geht natürlich fünfmal so schnell als händisches Auftragen, ungeübten Werfern zwar ein großer Spaß, aber auch ein matschige und spritzige Angelegenheit. Doch toll ist natürlich auch, dass der Lehm, der am Boden landet und an den Werkzeugen klebt, einfach wieder zusammengesammelt und neu verarbeitet werden kann.

Ist die Wand ausgeglichen, also schön gerade mit der Richtlatte abgezogen, kommt eine weitere Schicht Unterputz auf die Wand, in welche Gewebe als Armierung eingelegt wird um Spannungen der verschieden Untergrundmaterialien auszugleichen und Risse zu verhindern. Das heißt also auch in jede Ecke und an Kanten und Fensterlaibungen muss ein Streifen Gewebe eingeputzt werden. Ist dies geschafft, und die Wand auch ausreichend trocken, ist es Zeit für den Oberputz. Mit Kelle und Glattscheibe bestückt in meditativer Arbeit, wird dieser in dünnen Schichten aufgezogen und schliesslich im lederharten Zustand mit der Vlieskelle und Wasser gefilzt, um eine schöne, gleichmässige Oberfläche zu erhalten. Durch die feinere Körnung, und da kein Stroh im Oberputz ist, gibt es wirklich eine ruhige Oberfläche, die auch schön weiterbehandelt werden kann mit Lehmputzfarben, oder eben so belassen werden kann.

Die Außenwände haben wir zudem auch noch gedämmt. Nach der ersten Ausgleichsschicht wurden mit Klebemörtel aus einer speziellen Mischung von Lehm, Sand, Ton und Wasser, Holzfaserdämmplatten an die mit Unterputz vorbereiteten Wände geklebt und zusätzlich mechanisch mit Dübeln befestigt. Um darauf wieder Putzen zu können wurden die Platten mit einer Schlemme aus viel Wasser und ein wenig Baulehm bestrichen. Und dann das selbe Spiel: Armierung und Oberputz nun auch an den Fensterwänden!

So einige Quadratmeter haben wir geschafft, dann ging es weiter, um noch mehr Anwendungsweisen von Lehm zu lernen. In Walporzheim haben wir uns mit dem Ausmauern der Gefache mit Lehmziegeln vertraut gemacht und noch am selbem Tag eine tolle Art zu dämmen mittels der Leichtlehmschüttung mit Blähton kennengelernt. Anstatt die Wände mit Holzfaserplatten zu bekleben haben wir eine Trockenwand gebaut mit ungefähr 10 cm Abstand zur Originalwand, mit Schilfrohrmatten betackert und dann von oben mit dem Blähton-Lehmgemisch verfüllt. Das härtet mit der Zeit aus und eine neue Wand entsteht im Verbund zur Alten.

Alle waren motiviert viel zu lernen und auszuprobieren, und wir haben einiges geschafft. Das Material Lehm ist auch wirklich ein angenehmer Rohstoff; wir waren zwar alle ordentlich dreckig danach, aber im Wissen, das der Lehm leicht raus zu klopfen geht und der Haut nicht schadet. Unseren Lehm haben wir anliefern lassen; aber an sich ist es ein Rohstoff, den wir in vielen Regionen einfach selber aus dem Boden holen können, oft Vorhanden in Aushub von Baugruben und wohl noch länger vorrätig, als andere Baumaterialien der heutigen Zeit. Und das Raumklima war spürbar angenehmer als Draußen, an den teils schwülen Tagen des Frühsommers.

Und als hätten wir nicht schon genug mit dem Lernen zu tun gehabt, hatten wir das Glück von einem kompetenten Team von DMAX an zwei Tagen begleitet zu werden und nun einen kleinen Beitrag über Lehmbau für das Bildungsfernsehen geliefert zuhaben. Im Oktober dann also im Fernsehen, dass Wandergesellen im Ahrtal helfen, historische Gebäude zu erhalten und das mittels neuer Technik mit einem uraltem Material. Da hatten wir schon unseren Spaß mit der Drehchefin, wenn Tommy dreimal eine Morgenbesprechung machen sollte, nur immer aus anderer Richtung gefilmt, oder ganz unverfänglich gefragt wurde, was jetzt denn so passiert, wenn die Geweberollen leer sind aber schon der ganze Unterputz auf der Wand vorbereitet ist…

Wir sind auch viel in Kontakt mit den Menschen vor Ort gekommen, natürlich über die Baustellen, aber auch durch das gemeinsame Essen im Versorgungszelt im Walporzheim, was wirklich ein guter Ort der Begegnung darstellt. Es sind noch einige Menschen traumatisert und ihrer Lebensgrundlage Haus entzogen.

Im Nachhinein wird nochmal bewusst, wie viele Häuser noch helfender Händen bedürfen und was noch alles zu tun ist. Dank des Kurses können wir nun selbständiger auch diese Arbeiten verrichten, und ich denke einige werden noch mit Begeisterung mit Lehm matschen. Aber es braucht noch so viele motivierte Handwerkerinnen im Ahrtal, in allen Bereichen!

Im September soll ein weiterer Kurs stattfinden und ich kann nur empfehlen, das Wissen unserer Einheimischen anzuhören und die Ruhe und Besonnenheit im Wandverputzen zu erlernen!

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